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Lizenzvertrag Life Sciences
Lizenzvertrag in Life Sciences, Biotech und Pharma: Was unterschiedliche Stakeholder wissen müssen

Daniel Schuppmann, LL.M.
Aktualisiert am:
13. Feb. 2026
Lizenzierung ist eines der wirkungsvollsten Instrumente in der Life-Sciences-Branche. Gleichzeitig gleicht kaum ein Deal dem anderen. Ob ein Biotech-Startup Finanzierung sucht, ein Pharmaunternehmen seine Pipeline ausbaut oder eine Universität Forschungsergebnisse kommerzialisiert: Lizenzierung erfüllt je nach Akteur unterschiedliche Zwecke. Wer diese Perspektiven versteht, kann strategisch bessere Entscheidungen treffen.
Was ist ein Lizenzvertrag?
Im Kern ist ein Lizenzvertrag ein rechtlicher Vertrag, in dem der Inhaber von geistigem Eigentum, also der Lizenzgeber, einer anderen Partei, dem Lizenznehmer, erlaubt, dieses geistige Eigentum zu nutzen, und zwar zu vereinbarten Bedingungen. Als Gegenleistung verpflichtet sich der Lizenznehmer in der Regel zu einer finanziellen Vergütung. Diese Vergütung umfasst häufig eine Vorauszahlung, Meilensteinzahlungen, die an Entwicklungs- oder regulatorische Fortschritte anknüpfen, sowie umsatzabhängige Lizenzgebühren. Lizenzgebühren werden typischerweise als Prozentsatz des Umsatzes berechnet, den der Lizenznehmer mit dem lizenzierten Produkt erzielt. Dadurch werden die wirtschaftlichen Interessen des Lizenzgebers mit dem kommerziellen Erfolg des Produkts verknüpft.
Auch wenn Lizenzverträge komplexe Regelungen enthalten können, drehen sie sich im Wesentlichen um zwei Kernelemente: die Einräumung von Nutzungsrechten an dem geistigen Eigentum und die finanziellen Konditionen dieser Nutzung. Dieses Grundmodell ermöglicht es Lizenzgebern, Innovationen zu monetarisieren. Gleichzeitig erlaubt es Lizenznehmern, neue Produkte zu entwickeln, herzustellen und zu vermarkten, ohne bestehende Rechte zu verletzen.
Die Rolle von Lizenzierung in der Life-Sciences-Branche
Lizenzierung ist ein zentrales strategisches Instrument in Life Sciences, Biotech und Pharma. Sie ermöglicht es Unternehmen, Innovationen wirksam zu kommerzialisieren, Risiken zu steuern und Entwicklungsprozesse zu beschleunigen. Angesichts der hohen Kosten und langen Zeithorizonte in Forschung und Entwicklung bietet Lizenzierung einen pragmatischen Weg, wissenschaftliche Erkenntnisse in marktfähige Lösungen zu überführen.
Geistiges Eigentum in diesem Sektor umfasst regelmäßig Patente, Marken, Urheberrechte, Geschäftsgeheimnisse, regulatorische Daten und spezialisiertes Know-how. Während Patente häufig neue Wirkstoffe, Medizinprodukte oder biotechnologische Verfahren schützen, sind andere Schutzpositionen wie Datenexklusivität, regulatorische Zulassungen und proprietäres Know-how oft ebenso entscheidend. Warum das so ist, beleuchten wir in einem separaten Blogbeitrag.
Warum Unternehmen Lizenzverträge schließen
Die Motive unterscheiden sich danach, ob ein Unternehmen als Lizenzgeber oder als Lizenznehmer handelt. Der gemeinsame Nenner ist meist derselbe: Innovation und Marktzugang sollen beschleunigt werden, während Risiken und Kosten beherrschbar bleiben.
Motive des Lizenzgebers
Für Unternehmen oder Organisationen, die eine wertvolle Technologie besitzen, bietet Lizenzierung mehrere strategische Vorteile:
Ressourcenbegrenzung: Kleinere Unternehmen oder stark forschungsgetriebene Organisationen verfügen häufig nicht über die Mittel für kostspielige klinische Studien, Produktion oder globale Distribution. Durch Lizenzierung lassen sich diese Aufgaben teilen oder auf Partner verlagern.
Umsatzgenerierung: Technologien, die nicht zum Kerngeschäft gehören oder in anderen Märkten besser eingesetzt werden können, lassen sich lizenzieren, um zusätzliche Erlöse zu erzielen.
Marktexpansion: Die Lizenzierung an lokale Partner kann den Markteintritt in fremden Regionen erleichtern, ohne dass der Lizenzgeber eigene Strukturen aufbauen muss.
Validierung der Innovation: Die Zusammenarbeit mit einem etablierten Partner kann die Technologie des Lizenzgebers validieren und ihre Marktakzeptanz sowie Glaubwürdigkeit erhöhen.
Risikoteilung: Durch Out-Licensing lassen sich finanzielle und operative Risiken der Entwicklung und Kommerzialisierung zwischen den Parteien verteilen.
Motive des Lizenznehmers
Auch für Unternehmen, die Technologie lizenzieren möchten, gibt es starke Gründe:
Zugang zu Innovation: Lizenzierung ermöglicht den Ausbau des Produktportfolios durch Technologien, die von Dritten entwickelt wurden.
Schnellerer Marktzugang: Eigene Entwicklung von Grund auf kann Jahre dauern. Lizenzierung eröffnet einen schnelleren Zugang zu marktnahen oder bereits marktfähigen Technologien.
Vermeidung von Rechtsrisiken: Die Lizenzierung bestehender Technologien kann kostspielige Patentstreitigkeiten vermeiden und rechtliche Risiken reduzieren.
Erweiterung der eigenen Fähigkeiten: Lizenznehmer erhalten Zugriff auf spezialisiertes Know-how oder proprietäre Expertise, die die eigene F&E sinnvoll ergänzt.
Stärkung der Marktposition: Strategische Lizenzierung kann die Wettbewerbsposition verbessern, den Eintritt in neue Märkte erleichtern oder langfristige Wachstumsziele unterstützen.
Wichtige Akteure bei Lizenzierung in Life Sciences, Biotech und Pharma
In der Life-Sciences-Branche treffen unterschiedliche Stakeholder aufeinander. Entsprechend vielfältig sind die Motive für Lizenzverträge:
Universitäten und Forschungseinrichtungen: Sie entwickeln wertvolle Technologien, verfügen jedoch häufig nicht über die Mittel oder Strukturen, um diese selbst zu kommerzialisieren. Lizenzierung ermöglicht Monetarisierung, fördert den Transfer in die Praxis und kann Beiträge zur öffentlichen Gesundheit leisten.
Biotech-Unternehmen und Start-ups: Diese Unternehmen sind oft stark forschungsorientiert und haben begrenzte Ressourcen für Herstellung oder globale Vermarktung. Lizenzierung eröffnet Kooperationen mit größeren Playern, um Innovationen in den Markt zu bringen.
Pharma- und MedTech-Unternehmen: Größere Unternehmen lizenzieren häufig, um ihre Pipeline zu erweitern, neue Therapiegebiete zu erschließen oder Zugang zu Spitzen-Technologien zu erhalten.
Non-Profit-Organisationen und Stiftungen: Diese Akteure nutzen Lizenzierung oft zur Erfüllung ihrer Mission, etwa zur Förderung von Forschung zu seltenen Erkrankungen oder zur Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsleistungen in unterversorgten Märkten. Gewinnmaximierung steht dabei typischerweise nicht im Vordergrund.
Fazit
Ob als Lizenzgeber, der Technologie validieren und monetarisieren möchte, oder als Lizenznehmer, der sein Portfolio strategisch stärken will: Ein Lizenzvertrag bietet in Life Sciences, Biotech und Pharma einen flexiblen Weg, strategische Ziele zu erreichen. Wer die unterschiedlichen Motive und Interessen hinter Lizenzierungen versteht, kann Partnerschaften so gestalten, dass Innovation vorangetrieben, Entwicklung beschleunigt und Produkte mit relevanter Wirkung in den Markt gebracht werden.
Frequently Asked Questions

Daniel Schuppmann, LL.M.
Senior Associate
As a Senior Associate at NEUWERK, Daniel advises on intellectual property and IT law, specializing in the licensing, commercialization, and transfer of IP rights. He regularly advises on transactions involving the development, exploitation, and protection of technology, as well as software agreements, outsourcing, and data protection. In addition, he supports clients in M&A deals, carve-outs, and other strategic transactions involving intellectual property and technology assets.
His work spans multiple industries, with a particular focus on the pharma, biotech and medtech industries.
Daniel has extensive experience in drafting and negotiating complex research and development collaborations, licensing and option deals, and and IP assignments. He also frequently advises on commercial agreements, including manufacturing and supply arrangements, distribution agreements, clinical trial agreements, service agreements, material transfer agreements and confidentiality agreements.
His clients range from large multinational corporations, investors, and fast-growing start-ups to spin-outs, academic institutions, and non-profit research organizations.
In 2024 and 2025, the German Newspaper Handelsblatt recognized Daniel as “One to Watch - Lawyer of the Future” in the fields of Intellectual Property and IT Law.
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